Emotionale Taubheit - Kann man das behandeln?

Menschen, die sich in einem körperlich und mental gesunden Zustand befinden, interagieren mit ihrer Umwelt durch ein einfaches Aktion-Reaktion-Verhalten.
Wir nehmen Eindrücke aus unserer Umgebung oder von unseren Mitmenschen wahr, was Gedanken und Gefühle in uns auslöst.
Doch wie verhält man sich, wenn man nichts fühlen kann?
Menschen, welche von emotionaler Taubheit betroffen sind, haben den Zugang zu ihren eigenen Gefühlen verloren, sodass sie diese weder wahrnehmen noch ausdrücken können.
Die Betroffenen fühlen sich zunehmend missverstanden und entfremden sich zusätzlich von ihrem sozialen Umfeld, da sie kaum Empathie empfinden können.

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Im Alltag sind wir dauerhaft auf unsere Emotionen angewiesen.
Sie helfen uns, Situationen einzuschätzen und eine allgemeine Meinung zu bilden.
Durch Freude, Leid, Skepsis und Begeisterung wissen wir, ob wir uns in einer Umgebung oder mit dem Gegenüber wohlfühlen oder eben nicht.
Unser Bauchgefühl bzw. unsere Intuition sind entscheidende Faktoren, um unsere Umwelt zu verstehen.
Wer nichts fühlen kann, dem fehlt diese Verständnis für die Welt und die Mitmenschen. Durch einen dauerhaften Zustand der Unsicherheit gerät der Betroffene in einen Teufelskreis des Unwohlseins.
 Die Person hat den Eindruck die Welt nicht zu verstehen oder betrachtet sich nicht als einen aktiven Teil in ihr. Die Emotionslosigkeit zeigt sich dann einerseits in der Selbstentfremdung und zum anderen in der sozialen Isolation.
Häufig entsteht daher eine enorme Einsamkeit, doch gegenüber anderen wirken die Betroffenen "kalt", weshalb eine Annäherung kaum möglich ist.

Wusstest du schon?

Trotz, dass die Psychologie als eine ausgesprochen junge Wissenschaft gilt, ist die Problematik "Emotionale Taubheit" schon lang bekannt.
In der Literatur ist die Nutzung von "Gefühlskälte" und "Herzenswärme" als wortspielerischer Gegensatz bereits seit langer Zeit im Gebrauch. Damals war die psychologische Tiefe des Themas noch geringer ergründet, doch selbst heutzutage gilt es die Zusammenhänge zwischen Verhalten, Bewältigungsmechanismen und neurologischen Ursachen näher zu erforschen.

Die emotionale Taubheit ist dabei keine anerkannte Krankheit, sondern eher eine Begleiterscheinung. Eine gewisse Lust- und Emotionslosigkeit tritt als Symptom von Depressionen, Angstzuständen oder ähnlichen psychischen Krankheiten auf, weshalb die Ursachen und Therapiemöglichkeiten vom individuellen Fall abhängen.
Die emotionale Taubheit darf nicht vernachlässigt werden, da sie eine zutiefst ungesunde Verhaltensweise zeigt, welche als scheinbarer "Schutzmechanismus" gewisse Empfindungen verdrängt, anstatt sie zu verarbeiten.
In extremen Ausprägungen kann die emotionale Kühle zur Depersonalisation führen, wobei Betroffenen die Fähigkeit fehlt sich mit sich selbst und ihrem Umfeld zu identifizieren.

Nichts fühlen - Deswegen könntest du so empfinden!

Im Kindheitsalter lassen wir unseren Gefühlen freien Lauf. Traurigkeit, Wut, Spaß oder Unzufriedenheit kann man den meisten Kindern auf den ersten oder zweiten Blick ansehen. Jugendliche und Erwachsene behandeln ihre Emotionen häufig eher als Privatangelegenheit, doch es gibt eine Grenze zwischen gesunder Privatsphäre und dem gänzlichen Verdrängen von Emotionen.
Es gibt zahlreiche Auslöser für den Fall, dass sich Betroffene bewusst oder unterbewusst von ihrer Gefühlswelt entfremden. Gefühlskälte kann ein Selbstschutz nach traumatischen Erfahrungen, Panikattacken oder langen Stresszuständen sein.
Bedrohliche Umstände zu verarbeiten, ist ein schmerzlicher Prozess, weshalb die Psyche sich dagegen wehrt, indem sie solche Emotionen nicht mehr zulässt.
Auch wer häufig von Menschen enttäuscht wurde, die einem nah am Herzen liegen, sieht in diesem Fall eine Schmerzlinderung nur darin, sich von solchen Emotionen zu distanzieren.

Wusstest du schon?

Die intensive Ausprägung von emotionaler Entfremdung wird als Depersonalisation bezeichnet.
In diesem Fall distanziert sich der Betroffene gänzlich von sich selbst. Es herrscht kaum ein Bewusstsein von Identität, sodass die Person häufig das Gefühl hat, sich im Körper eines Fremden zu befinden. Belegt wird dieses Verhalten durch die Aktivität bestimmter Hirnbereiche, die durch chemische Neurotransmitter die Signalverarbeitung der Emotionszentren hemmen.

Unabhängig vom konkreten persönlichen Grund, weshalb man nichts fühlen kann, durchlaufen alle Menschen gewisse Stufen, um ihrem Wunsch nach Bedürfniserfüllung nachzukommen. Diese Bedürfnisse reichen vom primären Grundbedürfnissen, wie einem Kleinkind, was aus Hunger schreit bis zu komplexen Bedürfnissen wie etwa nach Nähe oder Anerkennung. 

Die erste Stufe emotionaler Entfremdung ist Wut. Wir ärgern uns, dass unsere Bedürfnisse nicht erfüllt werden und sind wütend auf uns selbst oder unsere Mitmenschen.
Es scheint unfair, dass wir mit diesen negativen Situationen konfrontiert werden, weshalb wir heftig darauf reagieren. Wir beschuldigen uns selbst, dass wir nicht fähig sind uns selbst zu helfen oder wir beschuldigen unsere Mitmenschen, weshalb sie uns nicht von den Lasten befreien.
Die Nichterfüllung des Bedürfnisses nach Nähe, Liebe und Partnerschaft kann beispielsweise dazu führen, dass die Person wütend auf misslungene Beziehungen oder die eigenen Mängel wird.

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Anschließend an die aggressive Reaktion folgt Traurigkeit. Sie ist ein ungefilterter Ausdruck davon wie intensiv es uns bewegt, dass ein bestimmtes Bedürfnis nicht erfüllt wird.
Bleiben wir bei dem Beispiel, dass man den Wunsch nach einer Beziehung hat, dann folgt an dieser Stelle eine gewisse Verzweiflung. Das Bedürfnis scheint unerreichbar und die Trauer verkörpert diese Hilflosigkeit.
Ähnlich wie ein Baby erst schreit und anschließend weint, durchlaufen wir diese Stufen auch im späteren Leben auf individuelle Art und Weise. Diesen schmerzlichen Zustand der Unzufriedenheit wollen wir so schnell wie möglich überwinden, doch oft fehlt die Hoffnung, dass eine positive Erfahrung und die Erfüllung des Verlangens überhaupt möglich wären.
Und was bleibt einem für ein Ausweg, wenn man dem Unwohlsein entfliehen möchte?
Man verdrängt die Hoffnungslosigkeit, distanziert sich von den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen und entfremdet sich soweit bis man nichts mehr fühlen kann.

Nichts fühlen in zwischenmenschlichen Beziehungen - Eine Chance auf ein normales Leben?

Die dritte Stufe emotionaler Entfremdung ist demnach die Resignation bzw. die emotionale Taubheit. Beispielsweise hat die unerfüllte Sehnsucht nach Nähe etc. ein Maß an Leid verursacht, dem die Betroffenen nicht länger standhalten wollen und können.
Ansprüche an andere Menschen oder das Leben im Allgemeinen werden auf dieser Ebene der Entfremdung eingestellt.
Emotionale Taubheit soll die Betroffenen vor dem erneuten Erleben solcher Unzufriedenheit bewahren. Ganz nach dem Motto: "Wer nichts fühlen kann, der empfindet auch kein Leid."
Da das positive Endergebnis der eigenen Wünsche unerreichbar scheint, ist es für Betroffene die logische Konsequenz, alle Wunschvorstellungen aufzugeben.

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Die Konsequenz daraus ist, dass man zwar die Unzufriedenheit nicht mehr spürt, doch die Probleme bleiben ungelöst. Die vorherige Wut und Trauer verschwinden nicht einfach, sondern sind unterschwellig immer noch vorhanden.
Das Bedürfnis nach Nähe, Anerkennung oder Selbstzufriedenheit bleibt unerfüllt und kann daher nicht verarbeitet werden. Häufig entwickeln gefühlskalte Menschen daher Verdrängungsverhaltensweisen.
Die schmerzlichen Themen werden gemieden, man lenkt sich durch eine dauerhafte Beschäftigung von ihnen ab oder überspielt sie mit Gleichgültigkeit, bis man schließlich tatsächlich keine emotionalen Empfindungen gegenüber diesen Themen verspürt.
Wer sich lang genug einredet, dass Emotionen keine Bedeutung haben bzw. in jedem Fall schädlich sind, der glaubt irgendwann daran.

Wusstest du schon?

Schätzungsweise leiden 3 - 5% der Bevölkerung an einer Depersonalisationsstörung, welche in den meisten Fällen als Begleiterscheinung einer mentalen Erkrankung auftritt.
Da die emotionale Taubheit allerdings bereits in geringer Ausprägung auftritt, leiden vermutlich weitaus mehr Menschen unter dieser Beeinträchtigung. Die Grenzen der emotionalen Distanz als eine Charaktereigenschaft und als Krankheit sind schwer zu definieren, weshalb die Diagnose als ein komplexer Prozess gilt.

Dass die emotionale Taubheit kein gesunder Umstand ist, lässt sich allerdings nicht nur durch die ungelösten Probleme begründen.
Menschen sind prinzipiell soziale Wesen, weshalb die Betroffenen in Isolation geraten, da sie ebenso verlernen die Gefühle anderer zu verstehen.
Einer gefühlskalten Person mangelt es an Empathie, weshalb Außenstehende kaum eine persönliche Bindung zu den Betroffenen aufbauen können. Schließlich wünschen wir uns alle einen Kreis von Freunden und Verwandten, die Verständnis für uns zeigen.
Emotionale Taubheit ist somit ein erhebliches Hindernis in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Zudem entgehen den Betroffenen auch die erfreulichen Momente des Lebens, da sie auch positive Emotionen schwach bis gar nicht wahrnehmen. 

Ob die Chance auf ein normales Leben besteht hängt daher gänzlich von der betroffenen Person ab. Im anschließenden Abschnitt werden Faktoren beschrieben, die den Weg der Therapie und Besserung erheblich beeinflussen.

Emotionale Taubheit - Kann man das behandeln?

Der erste Schritt zum Wiedererlernen der eigenen Emotionen ist das Bewusstsein, dass man unter emotionaler Taubheit leidet. Häufig definieren sich Betroffene lediglich als weniger emotional oder nehmen ihre Situation nicht ernst.
Allerdings gilt es, bei regelmäßigem Auftreten oder dem Dauerzustand von Lust- und Emotionslosigkeit einen Arzt oder einen Psychologen aufzusuchen, da die emotionale Entfremdung ein Symptom tiefgreifender mentaler Krankheiten sein kann. 

Ein weiterer wichtiger Schritt ist das Aufklären des näheren Umfeldes. Häufig wissen nahstehende Personen nicht, dass die Person an emotionaler Entfremdung leidet, weshalb sie Gleichgültigkeit und Empathielosigkeit als persönlichen Angriff empfinden.
Durch das Verständnis über die mentale Erkrankung können Freunde und Verwandte allerdings mit Verständnis und Toleranz auf den Zustand reagieren.
Dies hilft die soziale Isolation zu überwinden. Indem sich Betroffene ihren Mitmenschen anvertrauen, können sie positive Erfahrungen mit zwischenmenschlichen Beziehungen sammeln. Möglicherweise wird damit die generelle Skepsis gegenüber den Mitmenschen abgebaut und die vergangenen negativen Erlebnisse werden durch positive Erfahrungen ersetzt.

Wusstest du schon?

Gefährlich wird der Zustand der Gefühlskälte, wenn emotionale Erlebnisse nur noch durch extreme körperliche Aktivitäten oder die Einnahme von Drogen erlangt werden kann.
Wenn Betroffene das Bedürfnis entwickeln, aus der Lustlosigkeit auszubrechen suchen sie nach Wegen, um positive Emotionen zu verspüren. Adrenalinkicks bei Extremsportarten oder der Rauschzustand von Alkohol und co. werden dann zu gefährlichen Mechanismen, um die Taubheit zu überwinden.

Die konkrete Behandlung kann durch den Einsatz von Medikamenten wie Antidepressiva Blockaden im Gehirn lösen, welche in vielen Fällen die Signalleitung der Emotionszentren hemmen.
Da Medikamente allerdings nicht immer die gleichen Effekte für verschiedene Patienten erzielen, ist die Verhaltenstherapie eine universale und bedeutsame Methode. Gemeinsam mit einem Psychologen werden die tiefsitzenden Probleme aufgearbeitet, sodass der Betroffene lernt Frust und Trauer der unerfüllten Bedürfnisse zu bewältigen.
Das Problem muss an der Wurzel gepackt werden, um eine nachhaltige Verhaltensänderung beim Patienten zu bewirken. Folglich ist es durchaus möglich, dass Betroffene, die nichts fühlen, wieder einen gesunden Umgang mit ihren Emotionen erlernen.

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Wenn du mehr über Emotionale Taubheit wissen möchtest, dann solltest du hier vorbei schauen.

Oft gestellte Fragen:

Kann man depersonalisation heilen? 

Heilung tritt in diesem Fall nach kurzer Zeit von alleine ein. Sind die Symptome stark ausgeprägt, leiden die Betroffenen meist lange Zeit unter Symptomen derDepersonalisation und Derealisation. Mithilfe einer Psychotherapie können sie aber lernen, die Symptome besser zu kontrollieren.  

Wie fühlt sich depersonalisation an? 

Symptome. Die Symptome der Depersonalisationsstörung (englischdepersonalisation disorder) sind vielfältig und für die Betroffenen oft schwer in Worte zu fassen. Zu den Kernsymptomen zählen: Emotionale Taubheit: Betroffene empfinden, dass sie nichts fühlen, oder dass ihre Gefühle „flach“ oder unwirklich sind.  

Ist depersonalisation eine Psychose? 

In den meisten Fällen treten Derealisation und Depersonalisation nicht als eigenständiges Phänomen, sondern im Zusammenhang mit einer (psychischen) Krankheit auf. Insofern wird meist die zugrunde liegende Krankheit behandelt, nicht die Symptome an sich.  

Was ist depersonalisation Derealisation? 

Menschen, die an Depersonalisation leiden, empfinden ihre Person oder ihren Körper als fremd, nicht mehr vertraut, unwirklich und fern. Häufig gehtDepersonalisation mit der Derealisation Hand in Hand. Bei einer Derealisationerscheint nicht die eigene Person, sondern die Umgebung fremdartig verändert.  

Was ist eine gestörte Selbstwahrnehmung? 

Bei einer Ich-Störung kann sich der Eindruck einstellen, die eigenen Gedanken würden von außen weggenommen, gelesen und benutzt oder komplett gesteuert. Die emotionale Ebene bezieht sich auf die Erlebniswelt. Betroffene empfinden zum Beispiel den eigenen Körper als fremd oder abgegrenzt vom eigenen Erleben.  

Was bedeutet es neben sich zu stehen? 

neben sich stehen - Synonyme bei OpenThesaurus. durcheinander · entgeistert · fassungslos · konfus · neben sich stehen · umnachtet · verstört · verwirrt · derangiert (geh., franz.) · neben der Rolle sein (ugs.)  

Was versteht man unter einer Ich Störung? 

Als Ich-Störungen werden Erlebensweisen bezeichnet, bei denen es zu Störungender Ich-Umwelt-Grenze im Sinne einer Störung des personalen Einheitserlebens („Ich-Erleben“) kommt. Der Begriff der Ich-Störung umfasst einen Komplex an Symptomen, welche sich phänotypisch teils deutlich voneinander unterscheiden.  

Was versteht man unter Panikattacken? 

Als Panikattacke wird das einzelne plötzliche und in der Regel nur einige Minuten anhaltende Auftreten einer körperlichen und psychischen Alarmreaktion (fight or flight) ohne objektiven äußeren Anlass bezeichnet. Oft ist den Betroffenen nicht klar, dass ihre Symptome Ausdruck einer Panikreaktion sind.  

Was versteht man unter einer Psychose? 

Psychose. ... Psychose ist ein Überbegriff für schwere psychische Störungen, bei denen die Betroffenen den Bezug zur Realität verlieren. Dabei nehmen die Patienten sich selbst und ihre Umwelt verändert wahr. Typische Anzeichen für eine Psychose sind Wahnvorstellungen und Halluzinationen.  

Was versteht man unter einer Psychose?

Psychose. ... Psychose ist ein Überbegriff für schwere psychische Störungen, bei denen die Betroffenen den Bezug zur Realität verlieren. Dabei nehmen die Patienten sich selbst und ihre Umwelt verändert wahr. Typische Anzeichen für eine Psychose sind Wahnvorstellungen und Halluzinationen.


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